Spezialität: Gehtraining mit dem Prothesensystem C-LEG

Als ich 1990 meine erste Beinprothese bekam, waren elektronisch gesteuerte Prothesen nur für Amputationen im Armbereich erhältlich. Ich lernte daher den Umgang mit Prothesen zunächst auf konventionellen Kniegelenken. Mir war klar, dass ich mein weiteres Leben nur dann befriedigend gestalten konnte, wenn ich mich offensiv mit dem größten Problem, dem Verlust des Beines und den daraus resultierenden Einschränkungen im Alltag, beschäftige und mit meinen Kunstbeinen alles versuchte, was mir in den Sinn kam – ob es nun sinnvoll war oder nicht. Mit Anfang 20 trieb mich mein Spät-Jugendlicher Übermut zu scheinbar unmöglichen Dingen wie Kampfsport, Volleyball und Joggen (was ein einziges schnelles Humpeln darstellte, weil ich nicht die richtige Prothese dafür hatte), sowie zum Beenden der Maurerlehre auf der Baustelle und zu vielen Dingen mehr

 

Der ständige Verschleiß an Prothesenmaterial wurde sowohl von meinem Kostenträger in Form von Kostenübernahme für Reparaturen als auch von meinem Orthopädiemechaniker Michael Klüsener, der auch schon mal am Wochenende ein zerstörtes Prothesensystem wieder instand setzte, mit großer Ausdauer mitgetragen. Dieses Engagement führte dazu, dass die Firma Otto Bock 1997 auf mich aufmerksam wurde und mir anbot, als Honorarkraft zu arbeiten: Mir wurden mehrere komplette Beinprothesensysteme zur Verfügung gestellt, die ich auf Messen, Vorträgen, Tagen der offenen Tür und anderen Veranstaltungen vorlief und erklärte. Diese Tätigkeit, die ich neben dem Ingenieurstudium ausführte, bescherte mir ein überaus reichhaltiges Hintergrundwissen rund um das Thema Beinprothese sowie angrenzender Themenbereiche, da ich ja allen Veranstaltungen ständig beiwohnte und somit immer zugehört hatte, wenn über die verschiedensten Themen referiert wurde. 1997 wurde auch das C-LEG auf der Orthopädie- und Rehatechnik-Messe in Nürnberg vorgestellt.

Zwei Jahre später beantragte ich für mich ebenfalls ein C-LEG, was aber von meiner Krankenkasse abgelehnt wurde. Eine gründliche Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen war dieser Entscheidung vorausgegangen. Der Medizinische Dienst schätzte mich aufgrund meiner hervorragenden Gehfähigkeiten mit meinem damaligen konventionellen Beinprothesensystem als bereits ausreichend versorgt ein, worauf meine Krankenkasse keine Notwendigkeit sah mich mit einem elektronisch gesteuerten Gelenk zu versorgen. Das sahen sowohl ich als auch mein Rechtsbeistand anders, insbesondere weil ich nicht einsah mich unnötig beschränken zu lassen. Wenn es schon eine deutlich bessere Technik marktreif gab, die ich sogar vom Fleck weg her vollständig nutzen konnte, dann wollte ich die auch genehmigt bekommen. Denn selbst mit einer C-LEG – Versorgung wären immer noch einer Fülle von Einschränkungen übrig geblieben, aber halt deutlich weniger als mit konventioneller Technik. Meine Kasse lenkte dann auch ein, als mein Rechtsbeistand mit Klage vor dem Sozialgericht drohte.

Dies war sozusagen ein ideeller Vorgriff auf die im Jahre 2004, also 5 Jahre später, vom Bundessozialgericht getroffene Rechtsentscheidung. Das Gericht sah in keiner aktuell verfügbaren Beinprothesentechnik (also auch C-LEG) einen Ausgleich im Sinne eines Gleichziehens mit einem Gesunden. Deswegen sei eine Ablehnung mit der Begründung, dass der bisher erreichte Versorgungsstandard ausreichend sei, auch unzulässig. So hatte ich im Jahre 2004 also schon einige Jahre Praxiserfahrung im Umgang mit C-LEG, bevor ich für die Firma Otto Bock zusammen mit dem Orthopädietechnikermeister Dieter Scharwatt die sogenannte „C-LEG Roadshow“ durchführte. Im Zuge dieser Veranstaltungsreihe wurden von uns in Zusammenarbeit mit den Orthopädietechnikern vor Ort beinamputierte Menschen testweise für einen Tag mit einem C-LEG versorgt. Pro Tag wurden so zwischen einer und sechs Prothesen aufgebaut, eingestellt und die Menschen in den Umgang mit dem Gelenk eingewiesen. Auf diese Weise wurden über 330 Versorgungen von mir begleitet – ein Erfahrungsschatz, der so reichhaltig ist, dass ich noch heute davon profitiere. Letztlich habe ich in dieser Zeit die Grundlage meiner heutigen Form des ambulanten Gehtrainings gelernt – die Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus vor Ort, das Eingehen auf die individuellen Fähigkeiten, Wünsche und Sorgen der Betroffenen sowie die unterschiedlichsten Wege, mein Wissen den Betroffenen anschaulich zu vermitteln.

Die Vorgehensweise ist für jeden Beinprothesentyp gleich, daher kann ich jeden Menschen mit jeder Beinprothese schulen – selbst wenn dieser Mensch keine Sprache spricht, die ich verstehen kann, wie zum Beispiel russisch. Aber dieses Handwerk habe ich anhand des C-LEG Systems gelernt, und daraus resultiert meine besondere Qualifikation für das Gehtraining mit C-LEG.